Wissens- und Bedenkenswertes

Sonnenbogen_

Gedanken zu Wölfen und Schafen

 

In dieser Woche (KW 44/18) war ich doch recht erstaunt. Für Montag hatte ich einen Vortrag über Wölfe in Sachsen organisiert, der an der VHS Muldental von einem fachkundigen Wolfsbotschafter gehalten wurde.

Das Thema Wölfe wird gerade sehr heiß diskutiert. Dabei stehen oft Ängste, Vorurteile und Halbwissen im Vordergrund, fließen emotional unterlegte Standpunkte in die Diskussionen ein.

Doch obwohl der Vortrag in drei Zeitungen angekündigt wurde und obwohl das Thema Wölfe gerade die Medien durchzieht und sehr viel darüber diskutiert wird, kamen gerade mal 6 Personen zu dem Vortrag.

Im Vorfeld erkundigte sich der Besitzer eines Pferdehofes, wie die Veranstaltung ablaufen würde. Nachdem er die Auskunft erhielt, es würde um Fakten gehen, um das was derzeit nachweisbar dem Wissensstand entspricht, blieb er der Veranstaltung fern. Er hätte wohl lieber einfach nur Dampf abgelassen.

Heute morgen war ich im Wald und mal wieder recht erstaunt. Mitten im Wald waren Schafe platziert. Früher wurden Schafe von ihrem Schäfer und seinen Hunden begleitet und beschützt. Heute werden Schafe alleine auf eine mit Elektrozaun umrundete Wiese gebracht und Tag und Nacht sich selbst überlassen.

Dieses Waldgebiet ist bislang noch nicht dauerhaft von einem Wolf besiedelt, doch die nächsten Rudel leben nicht sehr weit entfernt und Wolfsichtungen gab es in der Nähe. Nun fände ich es nicht verwunderlich, wenn sich ein Wolf für diese Schafe interessieren würde, die sich dort wie auf einem Präsentierteller befinden. Muss das sein? Ich lege doch auch keine Süßigkeiten in meinen Vorgarten und wundere mich, wenn sie am nächsten Tag verschwunden sind.

Gestern sah ich auf einer Nachrichtenseite im Internet einen Film, der aktuell mit einer Wärmebildkamera von einem Jäger aufgenommen wurde. Ein Wolf soll dort zu sehen sein, der neun Schafe reißt und dann über einen 90 Zentimeter hohen Elektrozaun springt. Ich habe mir den Film zweimal angeschaut. Ich habe ein großes Tier mit vier Beinen und einem Schwanz gesehen. Doch habe ich einen Wolf gesehen? Oder war es ein Hund?

Gedanken mache ich mir auch darüber, warum der Jäger dieses Szenario filmte. War das nicht unterlassene Hilfeleistung? Mit einem einzigen Warnschuß hätte er das Tier vertreiben und die Schafe schützen können. Und so frage ich mich, ob der Jäger diesen Vorfall für naturkundliche/ wissenschaftliche Zwecke dokumentieren wollte oder ob er zu den Jägern gehört, die den Wolf als Konkurrenten sehen und Argumente für dessen Bekämpfung sammeln. Vielleicht war es aber auch nur die Lust an Sensation?

Doch zurück zu den Schafen ... heute morgen ... im Wald: Sie sind eingezäunt und auf der Wiese Tag und Nacht alleine. Rund um das Gehege befinden sich drei Hochsitze. Doch das ist sicherlich ein Zufall. Ich denke nicht, dass ein Jäger des nachts dort sitzt und darauf wartet, dass ein Wolf sich sehen läßt. Ich lege ja auch keine Süßigkeiten in den Vorgarten und warte am Fenster darauf, dass Kinder sich bedienen.

Schafe im Wald 1
Schafe im Wald 2
Schafe in der Nacht